Seit rund vier Jahrzehnten setzt sich Klaus Wolfertz dafür ein, Menschen in Nigeria konkrete Chancen zu eröffnen und Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Ein wesentlicher Teil dieses Engagements ist eng mit der Eine-Welt-Gruppe Xanten e.V. und dem von ihm gegründeten Freundeskreis Nigeria verbunden.
Vom ersten Krankenwagen zu einem vielfältigen Hilfsprogramm
Der Beginn der Zusammenarbeit mit Nigeria reicht bis in das Jahr 1986 zurück. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Weggefährten Mike Chukwuma organisierte Klaus Wolfertz damals die Überführung eines ausrangierten Krankenwagens nach Nigeria. Dort wurde das Fahrzeug als eine Art „fahrende Hausarztpraxis“ eingesetzt und leistete einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung von Menschen, die ansonsten kaum Zugang zu ärztlicher Hilfe hatten.
Aus diesem ersten Projekt entwickelte sich über die Jahrzehnte eine kontinuierliche und vertrauensvolle Partnerschaft. Im Mittelpunkt stand dabei stets ein Gedanke, der auch heute für die Arbeit des Freundeskreises Nigeria prägend ist: Nicht einfach etwas geben, sondern Menschen in die Lage versetzen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.
Der Freundeskreis Nigeria – Hilfe zur Selbsthilfe
Klaus Wolfertz gründete den Freundeskreis Nigeria als Abteilung der Eine-Welt-Gruppe Xanten. Seit inzwischen rund 30 Jahren unterstützt der Freundeskreis Projekte im Bundesstaat Enugu im Süden Nigerias, der früheren Biafra-Region. Die Projekte werden vor Ort von den Menschen selbst umgesetzt. Dadurch werden nicht nur konkrete Probleme gelöst, sondern auch Eigeninitiative, Verantwortung und lokale Strukturen gestärkt.
Die Bandbreite der Projekte ist beeindruckend. Dazu gehören unter anderem:
- Unterstützung und Berufsausbildung von Waisen, Straßenjugendlichen und Menschen mit Behinderungen,
- Maßnahmen zur Dorfentwicklung, die Perspektiven vor Ort schaffen und Landflucht vermeiden helfen,
- Transporte von Hilfsgütern und Materialien nach Nigeria,
- die Bereitstellung einer Reisschälmaschine,
- die Unterstützung einer Fraueninitiative mit Mikrokrediten,
- die Reparatur von Grundschulgebäuden,
- sowie der Aufbau von Trockentoiletten.
Besonders das Mikrokreditprojekt für Frauen steht beispielhaft für den Ansatz des Freundeskreises. Kleine Darlehen ermöglichen Frauen, eine eigene wirtschaftliche Tätigkeit aufzubauen und damit die finanzielle Situation ihrer Familien nachhaltig zu verbessern. In seiner Laudatio hob Landrat Ingo Brohl dieses Projekt ausdrücklich als Beispiel dafür hervor, wie aus Solidarität konkrete wirtschaftliche Teilhabe und mehr Selbstständigkeit entstehen können.
Ein wichtiger Teil der Eine-Welt-Gruppe
Für die Eine-Welt-Gruppe Xanten ist Klaus Wolfertz seit Jahrzehnten eine prägende Persönlichkeit. Der Verein wurde 1987 gegründet; Klaus Wolfertz gehört ihm seit vielen Jahren an und ist seit 2010 Mitglied des Vorstands. Der Freundeskreis Nigeria wurde als Teil der Eine-Welt-Gruppe organisiert.
Diese Verbindung war für die praktische Arbeit von großer Bedeutung. Wie Wolfgang Schneider bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes hervorhob, wurde der Freundeskreis Nigeria Teil der Eine-Welt-Gruppe auch deshalb, um Klaus Wolfertz die Arbeit organisatorisch zu erleichtern. So konnte der Verein beispielsweise Spendenquittungen ausstellen und den notwendigen organisatorischen Rahmen schaffen. Die Arbeit selbst wurde dadurch nicht weniger – aber sie konnte auf eine verlässliche Vereinsstruktur aufbauen.
Die Auszeichnung von Klaus Wolfertz ist deshalb auch eine Anerkennung für die gemeinsame Arbeit vieler Menschen, die die Eine-Welt-Gruppe und den Freundeskreis Nigeria über Jahrzehnte getragen haben: für Spenderinnen und Spender, Unterstützerinnen und Unterstützer, Vereinsmitglieder und Weggefährten – und nicht zuletzt für die Partnerinnen und Partner in Nigeria, die die Projekte vor Ort umsetzen.
Eine Welt beginnt vor der eigenen Haustür
Das Engagement von Klaus Wolfertz beschränkt sich dabei keineswegs auf Nigeria. Seit 1997 leitet er den „Runden Tisch Kommunale Entwicklungszusammenarbeit Xanten“. Er war an den Xantener Eine-Welt-Wochen, den Globusfesten und den Xantener Weltwochen beteiligt und gehörte 2012 zu den Mitinitiatoren der Bewerbung Xantens als Fairtrade-Stadt.
Auch die Aktion „Xanten FAIRschönern“, bei der zahlreiche Stromkästen mit Motiven aus der Einen Welt gestaltet wurden, geht auf seine Initiative zurück. Kinder und Jugendliche aus Xantener Kindergärten und Schulen sowie Künstlerinnen und Künstler beteiligten sich daran. Hinzu kamen die Xantener Klima-Wochen 2021 und seine langjährige Mitarbeit im Arbeitskreis Asyl, unter anderem mit einer Fahrradwerkstatt für Geflüchtete.
Damit steht sein Engagement für einen Ansatz, der die Eine-Welt-Arbeit in Xanten seit vielen Jahren prägt: Globale Verantwortung und lokales Handeln gehören zusammen.
„In zweiter oder dritter Reihe“
Dass Klaus Wolfertz selbst nur ungern im Mittelpunkt steht, passt zu seinem Verständnis von ehrenamtlichem Engagement. Bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes betonte er, dass er in den vergangenen Jahrzehnten lieber „in zweiter oder dritter Reihe“ gearbeitet und Projekte angeschoben habe.
Umso bemerkenswerter ist die öffentliche Anerkennung, die ihm nun zuteil wird. Landrat Ingo Brohl würdigte in seiner Laudatio insbesondere die Verbindung von Solidarität, Selbsthilfe und globaler Verantwortung. Sein Engagement zeige, dass Solidarität „vor unserer Haustür“ beginne und zugleich weit darüber hinausreiche.
Die Eine-Welt-Gruppe Xanten gratuliert Klaus Wolfertz sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung.
Das Bundesverdienstkreuz gilt dabei nicht nur einer einzelnen Person. Es steht auch für vier Jahrzehnte gemeinsames Engagement für eine gerechtere Welt – für die Arbeit des Freundeskreises Nigeria, für die Eine-Welt-Gruppe Xanten und für die vielen Menschen, die diesen Weg mitgetragen haben und weiterhin tragen.
Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch, Klaus! Und danke für vier Jahrzehnte Einsatz für die Eine Welt.